Bürstner Papillon im Test:
Günstiger Camper oder echtes Schnäppchen?
Günstiger Camper oder echtes Schnäppchen?
Der Bürstner Papillon wurde mir auf dem Caravan Salon mit einem Startpreis von unter 40.000 Euro versprochen – und genau deshalb wollte ich diesen günstigen Camper endlich selbst erleben. Ich bin mit ihm in den Schwarzwald gefahren, habe drin geschlafen, gekocht, geduscht und mir am Ende eine ehrliche Meinung gebildet. Vorweg: Es ist überhaupt nicht dramatisch geworden. Im Gegenteil.
Ich gebe zu, ich bin mit jeder Menge Skepsis in dieses Fahrzeug gestiegen. Ich habe selbst einen leeren Kastenwagen gekauft, um ihn auszubauen – und war preislich am Ende sogar über dem, was der Papillon kostet. Also wollte ich wissen: Ist das Auto einfach nur billig, oder ist es wirklich preiswert?
Auch zu diesem Blogbeitrag gibt es natürlich ein Video:
„Kastenwagen für 39.999 € im TEST – Bürstner Papillon billig oder preiswert?“
Der Papillon ist ein klassischer Kastenwagen mit 5,99 Meter Länge. In der Höhe misst er je nach Zubehör zwischen 2,65 und 2,75 Meter – merk dir 2,80 Meter, dann kommst du unter jeder Unterführung durch. Die Breite liegt bei 2,8 Metern, die Außenspiegel kommen natürlich noch dazu.
Unter der Haube steckt die Citroën-Basis (Jumper) mit einem 120-PS-Diesel und einer manuellen Sechsgang-Schaltung. Ehrlich gesagt hatte ich vor den 120 PS ein bisschen Schiss. Aber im Schwarzwald – Autobahn, Bundesstraße, Serpentinen, kleine Feldwege – hat alles problemlos funktioniert. Abgehängt hat mich keiner. Zwischen 120 und 140 PS dürfte sich nicht viel schenken.
Die Masse im fahrbereiten Zustand liegt bei meiner Konfiguration bei 2.630 Kilo, zugelassen ist das Fahrzeug auf 3,5 Tonnen. Je nach Ausstattung bewegt sich das Leergewicht zwischen 2.499 und 2.762 Kilo – genug Zuladung also für einen Camper für zwei.
Kommen wir zum Preis, denn da hat sich etwas getan. Auf dem Caravan Salon 2025 lag der Startpreis bei unter 40.000 Euro. Klingt verlockend – aber dahinter steckte eine Paketpolitik, über die die Community zu Recht gemeckert hat. Drehbare Sitze? Aufpreis. Küchenauszug? Nur im Paket, dafür aber gleich mit Kühlbox. Indirekte Beleuchtung? Komfortpaket. Am Ende warst du schnell bei 48.000 bis 49.000 Euro.
Bürstner hat zugehört und die Paketpolitik komplett aufgelöst. Der neue Einstiegspreis liegt bei 43.900 Euro, dafür sind jetzt Drehsitze, eine 100-Ah-Lithiumbatterie und die Diesel-Standheizung serienmäßig dabei. Du kannst einsteigen und losfahren – und alles Weitere einzeln dazubestellen. Zum Vergleich: Ein vergleichbarer leerer Citroën-Kastenwagen liegt schon bei rund 44.000 Euro. Der hochwertige Möbelbau kommt beim Papillon quasi obendrauf.
Das Konzept des Papillon ist ungewöhnlich – und genau das macht ihn spannend. Vieles ist nicht eingebaut, sondern nur vorgerüstet. Die Kühlschublade unten in der Küche kühlt nicht: Du steckst deine eigene Kühlbox an den 12-Volt-Anschluss. Die Toilette schiebst du im Bad heraus, suchst dir aber selbst aus, welche du willst – Kassette, Trenntoilette oder eben deine eigene. Genau das finde ich sympathisch, denn viele reißen die Serientoilette ohnehin raus.
Die Küche hat eine riesige Arbeitsfläche, eine große Spüle und eine Induktionsplatte – die allerdings nur an Landstrom läuft, denn einen Wechselrichter gibt es zum Preis nicht. Der Wohnbereich hat eine große Ablage über dem Cockpit, einen verstell- und vergrößerbaren Tisch und einen doppelten Boden mit Stauraum und Frostwächter. Wichtig: In der Basis ist der Papillon ein Zweipersonenfahrzeug ohne Gurte auf der hinteren Bank – wer mit Kindern reisen will, muss Halbdinette mit Isofix dazubestellen.
Das Bad hat ein Klappwaschbecken, einen Schrank und eine Duschfunktion mit Abzug. Geduscht habe ich tatsächlich richtig bequem: Ich bin 1,75 Meter groß und hatte locker 20 Zentimeter Luft nach oben. Die Trennwand zum Schutz des Schranks ist in meinem Modell noch friemelig zum Einhängen – beim neuen Serienmodell kommt ein Schiebemechanismus.
Hinten findest du ein Querbett mit 1,90 Meter Länge, 1,50 Meter breit am Kopf und 1,40 Meter zum Bad hin. Statt Lattenrost liegt die Matratze auf einem Holzbrett mit Meshgewebe darunter – ich war skeptisch, habe aber so gut geschlafen wie in manch teurerem Nobel-Camper.
Der Clou ist der Stauraum. Das Bett ist zweigeteilt und lässt sich komplett herausnehmen. So machst du im Heck Platz für ein Fahrrad, einen Motorschirm oder was auch immer du sicher transportieren willst. Über die geteilte Matratze kommst du außerdem bequem an den 80-Liter-Frischwassertank zum Reinigen.
Ich bin positiv überrascht – und das, obwohl ich auf maximale Zerstörung eingestellt war. Klar gibt es Punkte, an denen ich meckere: Mir fehlen ein Radio und eine Handyhalterung für die Navigation, hinten würde ich mir mehr Fenster für die Durchlüftung wünschen, der Verdunkelungsvorhang ist nicht blickdicht, und die Felgen sehen, ehrlich gesagt, kacke aus.
Aber: Dieses Fahrzeug hat nicht den Anspruch, ein Luxuscamper zu sein. Es kostet weniger als manche Mittelklasse-Pkw – inklusive Bett, Küche, Bad und Esszimmer. Die ganze Infrastruktur aus Wasser, Strom, Isolierung und Heizung ist solide verbaut, und genau das spart dir als Selbstausbauer wahnsinnig viel Zeit und Geld. Ich beiße mir ein bisschen in den Hintern, dass ich das beim eigenen Projekt nicht so gemacht habe.
Wenn du budgetär einsteigen willst oder einen ehrlichen, hochwertig gebauten Camper suchst, den du nach deinem Kopf weiterausstatten kannst, dann ist der Papillon ein richtig cooler Move. Back to the roots – höher, schneller, weiter kannst du immer noch selbst machen.
fan4van
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