Caravan Salon 2026

Meine Highlights vom ersten Messe-Wochenende

Kurz gesagt: Meine größten Highlights vom Caravan Salon 2026 in Düsseldorf sind der Westfalia Columbus Liner mit Aufstelldach und echter Dachterrasse, die Zukunftsstudie von Dethleffs in Halle 6 mit dem neuen Nekto-Aufbau und rund 600 Watt Solar, der Rocket Bike von Rocket Camper für alle, die zwei bis vier Fahrräder sicher im Innenraum transportieren wollen, sowie das neue modulare Bett- und Küchensystem von Volkswagen. Wenn du nur eine Halle schaffst: geh in Halle 6, dort steht die spannendste Technik der Messe.

Der Caravan Salon 2026 ist wieder das eine Wochenende im Jahr, an dem die komplette Campingwelt in Düsseldorf zu Hause ist. Wirklich alle sind hier – und genau das macht es so gut. Ich bin das erste Wochenende über die Messe gelaufen, habe mir viel angeschaut und vor allem richtig tolle Gesprächspartner getroffen. Hier kommen die Fahrzeuge, bei denen ich stehen geblieben bin.

Das Video zum Beitrag:

Auch zu diesem Blogbeitrag gibt es natürlich ein Video:

„Caravan Salon 2026 – Die spektakulärsten Wohnmobil-Neuheiten für 2027! 🚐💥“

Was macht den Westfalia Columbus Liner besonders?

Der Westfalia Columbus Liner hat als erster Kastenwagen ein Aufstelldach, das so weit nach hinten versetzt ist, dass vor dem Dachausstieg eine begehbare Dachterrasse entsteht. Normalerweise beginnt ein Aufstelldach direkt über der Dinette – hier ist es nach hinten gerückt, und du steigst am Dachfenster raus und stehst auf einer kleinen Terrasse.

Den Columbus bin ich selbst drei bis vier Jahre gefahren, er ist heute noch bei einem guten Freund von mir im Einsatz, und ich liebe das Fahrzeug bis heute. Ein Aufstelldach hätte ich mir damals schon gewünscht. Jetzt haben sie im wahrsten Sinne des Wortes noch einen draufgeknallt.

Ein Knackpunkt fällt mir oben trotzdem auf: Durch die Terrasse und das kleine Tischchen bleibt wenig freie Dachfläche für Technik wie eine Klimaanlage, und die brauchst du für Durchlüftung. Der Columbus Liner ist aktuell ein serienaher Prototyp – kaufen kannst du ihn also noch nicht, aber du darfst dich drauf freuen.

Was steckt in der Dethleffs-Zukunftsstudie in Halle 6?

Die Dethleffs-Studie in Halle 6 ist ein Future-Konzept, das an drei Stellen bewusst mit 60 bis 70 Jahren Aufbautechnologie bricht: Aufbau, Autarkie und Innenraum. Olli von Dethleffs hat mir alle drei Punkte erklärt – und ich war danach ehrlich geflasht.

Was ist der Nekto-Aufbau?

Nekto ist eine extrem leichte, robuste Trägerschicht, die ursprünglich aus der Solarindustrie kommt und dort als Tragschicht für Solarmodule patentiert wurde. Sie ist leicht, isoliert trotzdem und lässt sich anders formen als klassische Wandaufbauten. Damit sind Sicken und eingelassene Flächen möglich – der Aufbau geht optisch deutlich Richtung Automotive: wenig Aufgesetztes, keine sichtbaren Griffe, keine vorstehenden Dichtungen. Olli sagt es selbst: Man weiß nicht, was am Ende dabei rauskommt. Aber wenn man nicht anfängt, weiß man auch nie, ob es etwas Besseres gibt.

Wie autark ist das Fahrzeug?

Die Studie liefert eingefahren rund 500 Watt Solarleistung, ausgefahren rund 600 Watt – die „Solarblume“, also die als Markise nutzbare Solarfläche, bringt etwa 100 Watt zusätzlich. Dazu kommen rund 400 Amperestunden Lithium, ein 3000-Watt-Wechselrichter mit nur etwa 8 Kilo statt der klassischen 20 Kilo und ein doppelter MPPT-Laderegler. Der zweite Regler ist kein Spielkram: Wenn du im Schatten stehst und ein Faltmodul anschließt, hebt sich sonst im schlimmsten Fall die Spannung gegenseitig auf – du hast 700 Watt angeschlossen und bekommst nur 300 rein.

Beim Wasser wird es richtig spannend. Eine Aufbereitungsanlage macht aus Grauwasser Reinstwasser. Der Grund für Reinstwasser: Sollte doch mal eine Verkeimung reinkommen, findet sie keinen Nährboden – das Wasser bleibt deutlich länger frisch. Ein normales Fahrzeug hat rund 120 Liter Frisch- und 100 Liter Abwasser; die Anlage schafft ungefähr den Faktor 10. Mit 2.500 bis 3.000 Litern bist du also eine gute Saison unterwegs. Danach lässt nur der Durchfluss nach, das Wasser bleibt trotzdem rein. Die Toilette kommt ohne Kassette aus, du musst also nicht ständig aufs Kassettenvolumen schielen.

Was kann das Rollsofa im Innenraum?

Das Rollsofa ist eine Sitzbank, die du im Wohnraum frei nach vorne oder hinten schieben kannst – aus der klassischen Vierer-Sitzgruppe wird so ein Big Sofa. Der Tisch ist freitragend über einen Arm in der Wand, und wenn Besuch kommt oder du losfahren musst, ziehst du die Bank einfach wieder zurück. Dazu eine in die Wand eingelassene Verdunklung im Wohnraumstoff und ein Ultrakurzdistanz-Beamer – Fernsehabend im Wohnmobil, ohne dass irgendwas im Weg steht.

Was mir sofort aufgefallen ist: die Akustik. Kein lautes Klappern, sondern angenehm gedämpft. Statt Filz haben sie Stoff an Wand und Dachschränken verarbeitet, das nimmt Schall auf und gibt dem Fahrzeug spürbar Wärme. Und das alles bei nur 2 Metern reiner Raumbreite. Durch die eingelassene Verdunklung gewinnen sie rund 8 Zentimeter zurück, denn eine übliche Fensterverkleidung baut mit rund 40 bis 45 Millimetern pro Seite auf. Ergebnis: Durchgang und Blickachse wirken großzügiger als in manchem 2,18-Meter-Fahrzeug.

Die Küche ist aus Mineralwerkstoff aus der Küchenindustrie, die Induktionskocher sitzen flächenbündig darunter. Dethleffs hat auf der Messe schon 45 Minuten am Stück darauf gekocht, ohne dass etwas passiert ist – gebraten haben sie bewusst noch nicht.

Für wen lohnt sich der Rocket Bike von Rocket Camper?

Der Rocket Bike von Sven aus Halle 15 ist ein Camper auf Basis eines MAN TGE, der bis zu vier komplett montierte Fahrräder diebstahlsicher im Innenraum transportiert. Zwei Auszüge im Heck nehmen je zwei Bikes auf, und zwar ohne Vorderrad abnehmen. Der Clou: Die Auszüge sind in den Boden integriert, der Boden läuft eben durch. Genau das war für mich bisher der Haken an solchen Systemen – sie klauen dir die letzten 8 Zentimeter Höhe in der Heckgarage, die du fürs Rad brauchst.

An beiden Hecktüren sitzt außerdem eine verstärkte Aufhängung, an der du dein Rad zum Putzen oder Schrauben einhängen kannst – ausgelegt auch für E-Mountainbikes mit rund 20 bis 25 Kilo. Wer schon mal ein Rennrad ohne Ständer auf den Schotter legen musste, weiß, warum ich das feiere.

Optisch orientiert sich Sven am Yachtdesign: flache, breite Fenster (nebenbei ein guter Einbruchschutz) und darunter ein durchlaufendes schwarzes Profil mit Ablagen, das das ganze Fahrzeug verbindet. Mit Aufstelldach liegt der Wagen über 3,5 Tonnen, darunter geht es nicht. Aktuell ist das Ganze ein Prototyp und eher eine Bike-Plattform: Sven will mit Leuten ins Gespräch kommen und individuell auf Mountainbiker, Rennradler, Gravel-Fahrer oder ganze Teams zuschneiden. Also ab in die Kommentare mit deinen Ideen.

Carado statt Sunlight Ibex – was heißt das für dich?

Sunlight ist mit dem Ibex nicht auf dem Caravan Salon 2026 vertreten – dafür steht mit dem Carado CV ein Schwestermodell da, unter anderem in einem richtig schönen Goldgelb. Innen gibt es wenig Überraschungen, aber ein paar nette Kleinigkeiten wie das seitlich angebrachte Brett in der Dusche. Für dich als Kunde heißt das vor allem: mehr Mitbewerber, womöglich andere Preisgestaltung und andere Paketstrukturen. Behalt den Carado also auf dem Schirm.

Ebenfalls einen Blick wert: Crosscamp zeigt in Halle 6 erstmals einen Teilintegrierten. Ich fand Design und Raumgestaltung sehr gelungen – aber das ist am Ende Geschmackssache.

Was ist neu beim VW-System?

Beim neuen Volkswagen-System sind für mich drei Dinge entscheidend: ein Bett, das sich wahlweise als Einzel- oder Doppelbett aufbauen lässt, eine modular teilbare Küche und das Gewicht. Die Kücheneinheit wiegt 7 Kilo, das Bett 12 Kilo – damit sind wir sehr gut im Rennen.

Teilbar heißt konkret: Willst du das Waschbecken vorn, kommt es nach vorn. Willst du den Schrank vorn, geht der nach vorn. Brauchst du die Küche gar nicht, fliegt sie einfach raus und du hast nur das Bett. Bestellbar ist das Ganze ab sofort im Stuff-Bubble-Shop, Anfang bis Mitte nächsten Jahres kommt es zusätzlich in die offiziellen Vertriebskanäle von Volkswagen. Ausführliche Detail-Videos folgen, denn wir gehen damit jetzt richtig auf Test.

Mein Fazit zum Caravan Salon 2026

Mein persönliches Highlight ist ganz klar die Dethleffs-Studie in Halle 6. Nicht weil ich sie kaufen könnte – kannst du nämlich nicht –, sondern weil hier jemand 70 Jahre Aufbautechnologie ernsthaft hinterfragt und den Mut hat, das Ergebnis auf die Messe zu stellen. Davor ziehe ich meinen Hut. Der Westfalia Columbus Liner ist das Fahrzeug, auf das ich mich am meisten freue, weil ich den Columbus selbst jahrelang gefahren bin. Und der Rocket Bike ist für alle, die ihr Rad genauso lieben wie ihren Camper, die vielleicht cleverste Lösung der Messe.

Das größte Highlight waren aber ehrlich gesagt die Gesprächspartner. Danke an Olli und Sven, dass ihr euch die Zeit genommen habt.

Der Caravan Salon 2026 findet in Düsseldorf statt. Das erste Messewochenende ist bereits gelaufen, die Messe läuft aber noch mehrere Tage weiter.

Halle 6 lohnt sich am meisten: Dort steht die Dethleffs-Zukunftsstudie mit Nekto-Aufbau, und dort zeigt auch Crosscamp seinen neuen Teilintegrierten. Rocket Camper findest du in Halle 15, den Volkswagen-Stand in Halle 16.

Ein Aufstelldach ist ein aufklappbares Dachelement, das im Camper zusätzliche Stehhöhe und meist zwei weitere Schlafplätze schafft. Beim Westfalia Columbus Liner ist es so weit nach hinten versetzt, dass vor dem Ausstieg zusätzlich eine kleine Dachterrasse entsteht.

Ein zweiter MPPT-Laderegler wird nötig, sobald du neben der fest verbauten Dachsolaranlage noch ein mobiles Faltmodul anschließen willst. Beide Quellen haben unterschiedliche Spannungen – ohne getrennte Regler kann sich die Leistung gegenseitig aufheben, und von 700 angeschlossenen Watt kommen nur 300 an.

Nein. Der Columbus Liner ist auf dem Caravan Salon 2026 als serienaher Prototyp zu sehen, bestellbar ist er noch nicht.